Marc Zwiebler:"Wenn ich den hart arbeitenden Jugendlichen weiterhelfen kann, würde mich das freuen."












Marc, nach drei Jahren im Saarland kehrst du zu deinem Heimatverein 1. BC Beuel zurück, eine Herzensentscheidung?

 

Sicherlich war es eine Herzensentscheidung. Ich bereue zwar meine Entscheidung überhaupt nicht damals nach Bischmisheim gegangen zu sein. Auch im Nachhinein war es, denke ich, eine richtige und gute Entscheidung. In dem Verein habe ich mich auch sehr wohl gefühlt. Wir sind in der Zeit zweimal deutscher Meister geworden. Es war sehr angenehm in einer Mannschaft zu spielen, bei der die Heimspiele quasi direkt neben meiner Wohnung stattgefunden haben. Das hat mir eine Menge Kraft und Energie gespart.

Ich bin aber auch froh nach diesen drei Jahren wieder in die Heimat zurückzukehren in den Verein und in die Halle – die ja nach meinem Opa benannt ist - wo ich groß geworden bin. Ich fühle mich immer noch mehr als Rheinländer denn als Saarländer, obwohl ich jetzt 15 Jahre im Saarland gewohnt habe und dort eine sehr sehr gute Zeit hatte.

 

Für dich verändert sich im Moment einiges. Gerade erst hast du deinen Rückzug aus dem internationalen Badminton bekannt gegeben. Mehr als ein Jahrzehnt bist du durch die Welt gereist, als einer der erfolgreichsten Badminton-Spieler überhaupt. Was hat sich in dieser Zeit im Badmintonsport geändert?

 

Es hat sich viel geändert. In der Zeit ist die Sportart professioneller geworden, es gibt inzwischen mehr Turniere und private Ligen. Gleichzeitig ist der Druck gestiegen. Viel mehr Länder sind in den letzten Jahren wirklich stark geworden, insbesondere Japan und Indien. Es gibt viel mehr Konkurrenz. An der Spitze geht es wirklich hart zu, da machen wenige Prozentpunkte den Unterschied, ob man weit kommt oder früh ausscheidet. Das ist eine sehr große Belastung, denn man ist gezwungen die großen Turniere zu spielen. Verletzungspausen und Auszeiten kann man sich nicht leisten.

Es war sehr schön, aber auch sehr anstrengend. Sicherlich werde ich die Reisen auch vermissen, aber ich bin auch froh, dass ich ein bisschen mehr Ruhe haben werde und nicht mehr diesen konstanten Druck, Leistung abliefern zu müssen.

 

Gibt es Dinge, die du vermissen wirst?

 

Die Aufregung, das Adrenalin und die Zuschauer werde ich vermissen und es wird schwer das abseits des Badmintonfeldes im normalen Leben zu finden. Allein schon der Nervenkitzel wird mir fehlen. Auch die vielen Reisen und die verschiedenen Kulturen werden mir sicherlich fehlen, auch wenn ich mich manchmal beklagt habe, dass es fast zu viel ist. Ich habe das jetzt fast 15 Jahre gemacht. Ich hoffe, dass ich noch ab und an als Zuschauer zu den großen Turnieren komme und so den Kontakt nicht ganz verliere.

 

Du ziehst zurück nach Bonn. Wird man dich dann demnächst auch in der Erwin-Kranz-Halle beim Training sehen?

 

Tatsächlich habe ich eine schöne Wohnung in Bonn gefunden und werde auch das ein oder andere Mal die Woche beim Training sein. Die genauen Planungen stehen noch an. Ich werde mich auf jeden Fall fit halten.

Ich freue mich, dass Beuel in den letzten Jahren eine super Entwicklung genommen hat und deutschlandweit der Verein ist, der mit Abstand – so wie ich das beurteilen kann – die beste Schüler- und Jugendarbeit leistet. Ich hoffe, dass ich mit meiner Erfahrung auch den Jüngeren etwas weitergeben kann. Als Teenager habe ich früher sehr davon profitiert. Da verdanke ich eigentlich dem Verein alles. Dass wir eine erste Liga hatten, bei der ich mir einiges abschauen konnte und die Spieler mit denen ich trainieren konnte.

Das hoffe ich jetzt auch an die Jüngeren weiterzugeben. Bonn hat gute Trainer und gute Trainingsbedingungen und ich denke, dass ich als jemand, der über ein Jahrzehnt international gespielt hat, da einen anderen Input geben kann als ein „normaler Trainer“. Wenn ich den hart arbeitenden Jugendlichen weiterhelfen kann, würde mich das freuen.

 

Die Bundesliga-Saison beginnt erst im Oktober, dennoch interessiert uns deine Prognose. Wozu ist die Erste in der kommenden Saison imstande?

 

Ehrlich gesagt wage ich mich da keine Prognose abzugeben. Ich habe nicht so richtig den Überblick, wie sich die anderen Mannschaften verstärken, welche Zu- und Abgänge sie haben. So wie ich das beurteilen kann, haben wir in Beuel eine gute Truppe und mit Birgit Overzier und mir die zwei erfahrensten deutschen Spieler in unseren Reihen.

Aber auch mit Max Weißkirchen haben wir eines der großen deutschen Talente. Man hat auch in der vergangenen Saison gesehen, dass viele Spiele knapper geworden sind durch die Zählweise bis 11, die sieben Spiele und die neue Punkteverteilung ist alles dichter beieinander, so dass es mehr Überraschungen gibt.

Ich freue mich darauf wieder in Beuel einlaufen zu dürfen und bin mir sicher, dass wir eine bessere Saison hinbekommen, als sie der BC in der letzten Saison hatte.

 

Zum Schluss: Gibt es noch irgendetwas, was du mitteilen möchtest?

 

Vielen Dank für die Unterstützung in den vergangenen Jahren. Auch wenn ich die letzten 15 Jahre im Saarland gewohnt habe und zuletzt drei Jahre nicht mehr führ Beuel gespielt habe, habe ich dennoch immer unglaublich viel Resonanz aus der Bonner Ecke bekommen. Gerade wenn man in Fernost auf Turnieren ist, ist es immer wieder schön, wenn man in der Heimat nicht vergessen ist. Ich freue mich darauf wieder viele bekannte Gesichter wiederzusehen und hoffentlich auch ein paar neue. Packen wir es an! Auf geht’s!

 

Vielen Dank für das Interview.

 

(Andreas Kruse 15.05.2017)